[Auszug aus meinem Buch]

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Meine Geschichte beginnt mit einer Zäsur des jungen 21. Jahunderts. Der 11. September 2001. Wer könnte den Tag je vergessen. Eingebrannt in das kollektive Gedächtnis. Und mit auch der Startschuss zur Bekämpfung des islamistischen Terrors, der auf anhieb zur Bedrohung Nr. 1 aufstieg. Damals konnte man die Ausmaße gar nicht vorhersehen. Ich meine ich war ja auch erst 9. Dennoch verstand man, dass es was großes war; etwas in der Welt würde sich verändern, auch für mich. Bis dahin war das Böse immer weit weg. Doch nun war es ganz nah. Und mit der Zeit fand ich sogar heraus, dass ich selbst das Böse bin. Es jedenfalls verkörpere. Nun ja, ich muss gestehen, dass ich Muslim bin. Und ich meine wirklich gestehen. Nicht, dass ich mich dafür schämen würde. Im Gegenteil ich bin aus Überzeugung dem Islam zugehörig. Dennoch wird dieses Bekenntnis in unserer heutigen Gesellschaft mit Argwohn betrachtet. Obwohl man hier geboren und aufgewachsen ist, merkt man doch immer wieder im Alltagsleben, dass man nicht so ganz zugehörig ist, was nicht so schlimm ist, da man sich arrangiert hat. Ich will mich sowieso nicht beschweren. Ich meine klar hat man so seine alltäglichen Probleme. Der Klassiker ist natürlich der schräge Blick einer älteren Dame, wenn man wieder mal den Bart etwas länger trägt. Den Blick zu deuten ist gar nicht so schwer. Es gibt im wesentlichen zwei Alternativen. Entweder sie hat wirklich Angst, dass ich sie mit einer Detonation von der Rentenarmut erlöse oder sie hält mich für den Grund der Rentenarmut in Deutschland. In beiden Fällen bleiben es jedoch lediglich ihre Blicke, welche detonieren und mit einem lauten Knall mich aufwachen lassen. Aufwachen und erkennen lassen, dass obwohl ich hier in diesem Land geboren und aufgewachsen bin, ich mehr und mehr als Ursache für alles Schlechte verantwortlich gemacht werde. Aber wer will es ihr verdenken. Ich meine bei der Berichterstattung über Muslime und den Islam müsste ich selbst Angst beim Blick in den Spiegel bekommen. Ich sag ja man hat sich arrangiert, oder besser gesagt abgefunden damit. Und trotzdem ist es kein Grund sich zu beschweren. Es ist alles gut. Meiner Familie geht es gut. Mir geht es gut. Ich habe den Luxus zu studieren und zu arbeiten. Ich bin bei bester Gesundheit und mir fehlt Gottseidank nichts. Ein erfülltes Leben sollte man meinen. Würde ich von außen betrachtet auch tun. Doch fühlt man im inneren eine gewisse Leere. Und das führt uns zur eigentlichen Geschichte. Wie erfährt man Erfüllung? Was ist Erfüllung?

Jeder Genuss hatte, so schön er auch war eine negative Seite an sich. Ein kleiner Makel, der den scheinbar perfekten Urlaub zu Nichte machte, ein kleiner Schönheitsfleck, der mein neu erworbenes Macbook wie Schrott dar stehen ließ, ein kleiner Streit, der eine jahrelang, vermeintlich perfekte Beziehung als den größten Fehler entpuppte. Dies führte mich zu der Frage, ob es das Perfekte überhaupt gäbe. Alles, was man bis dato erlebt hatte, so schön es auch war, offenbarte doch irgendwo einen Makel. Jedoch, war mir schon früh klar, dass Erfüllung etwas makelloses sein musste; etwas halt perfektes. Doch fangen wir mal von vorne an. ………..

Ömer İbrahim Şamdanlı

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