Selbstfindung

Der Panzer ist stabil. Eine Mauer, die nichts von Außen hereinlässt. Abgekapselt von der Welt. Immer darauf bedacht auf Distanz zu bleiben.

Dies, weil die Narben tief sind. Die Vergangenheit hat geprägt. Menschen, die in das Leben traten verschwanden so schnell sie gekommen waren. Doch nahmen sie die Hoffnung und Zuversicht mit. Das unschuldige Denken. Die Unbeschwertheit, jemand fremdes objektiv entgegenzutreten und auf dessen Worte zu vertrauen; diese Unbeschwertheit wurde gestohlen. Gestohlen von Menschen, deren Handeln bestimmt ist von ihrem egozentrischen Dasein ohne eine Spur an Rücksicht auf ihre Mitmenschen.

Und so stumpft das Herz ab mit den Erfahrungen, die man macht. Einst aufgeschlossen und den Menschen gegenüber positiv gesinnt, wird nun Distanz versucht aufrechtzuerhalten, da immer die Angst mitschwingt, man könne wieder einem Exemplar Mensch begegnen, der schon in der Vergangenheit mit dem Messer hinterrücks zustach.

Man hat Angst zu vertrauen. Den Panzer abzulegen. Die Mauer niederzureißen und jemand in sein Leben zu lassen. Man hat Angst sich selber wieder zu verlieren wie es in der Vergangenheit schon der Fall war bedingt durch die manipulative Art jener Menschen. Man hat schlichtweg Angst, dass sich alles wiederholen könnte und verbleibt lieber in einer abgekapselten, eigenen Welt als sich dem Risiko auszusetzen.

Das Paradoxe jedoch ist, dass man mit dem Versuch der Abkapselung sich selber nicht mehr verlieren zu wollen, genau in diese Falle fällt. Denn, wenn man zulässt, dass die Angst, welche bedingt ist durch Enttäuschungen in der Vergangenheit, die Kontrolle über die Gegenwart und Zukunft übernimmt, dann hat man genau das erreicht, was man vermeiden wollte, nämlich das Verlieren des eigenen Seins. Die Angst bestimmt unser Sein und wir verlieren unsere Persönlichkeit.

Aus diesem Grund muss man sich seinen Ängsten stellen und auch das Risiko einer erneuten Enttäuschung eingehen, denn es könnte sein, dass auf der anderen Seite der Mauer ein Mensch wartet, der all die Sorgen, all den Schmerz und all die Last, die man schon lange im inneren fühlt, stemmen könnte.

Jeder von uns lacht in der gleichen Sprache, doch wie wir trauern, das verraten wir keinem. Die Person, welche die Sprache unseres Schmerzes versteht und in der Lage ist diese Last zu tragen; auf Sie lohnt es sich zu warten und den Panzer abzulegen.

Ömer İbrahim Şamdanlı

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