Catch me if you can

Das Gemüt des Menschen ist einfach gestrickt, so sehnt es sich auch nach einfachen Tatsachen und einer übersichtlichen Weltanschauung. Einfache Feindbilder als auch einfache Überzeugungen. Mit den Worten ,, Wenn man weiß, wer der Feind ist, hat der Tag Struktur“, trifft man die Gemütslage der meisten Menschen heutzutage auf den Punkt. Jedoch ist die Realität viel komplexer als manch einer sie haben will. Die Welt kann man nicht in schwarz und weiß unterteilen. Diese Perspektive blendet so viele Nuancen zwischen diesen beiden Extremen aus. Die Schönheit aller Dinge liege im Detail. Geht man von dieser These aus, so wären so viele in einem so großen Verlust, denn ihre Sicht auf die Dinge schränkt sie ein. Sie sind eingeschränkt in ihrem Horizont, in ihrem Verhalten und so auch in ihren Emotionen und verkennen so viele Aspekte, die ihr gesehenes Weltbild komplett anders erscheinen lassen würden.

Es ist jenes Bedürfnis des Menschen, nämlich die Welt für ihn selbst überschaubar zu halten, dass ihn dazu bringt, andere Zeitgenossen in Schubladen einzuordnen. Heutzutage muss Alles und vor allem Jeder kategorisiert werden. Alles, das aus dem Raster des ordinären Musters fällt, wird als Fremdkörper und somit als Fehler betrachtet. Jede, der eigenen Sicht zuwider stehende Handlung oder Haltung, wird als Spinnerei und falsch abgetan. Und folglich schließt sich auch der Kreis, indem die Frage nach Freund und Feind geklärt wird. Die Pluralität einer Persönlichkeit wird zwar gepredigt, jedoch ist sie de facto verhasst in der Gesellschaft, da sie dem einfachen Weltbild eines monotonen Stereotyps entgegensteht. Eine vielschichtige Persönlichkeit hinsichtlich Glauben, Weltbild und Handlung, stellt wohl für die meisten Gemüter eine zu große Herausforderung dar. Sie können sie nicht umfassen.Und das, was sie nicht umfassen können, das können sich auch nicht fassen. So sind sie fassungslos und drängen jene Vielschichtigkeit in ihre altbewährten Schubladen, sodass für sie ja alles wieder in guter alter Ordnung ist .

Ömer İbrahim Şamdanlı

Advertisements

Vergehen

Was hat das Starten für einen Sinn, wenn das Ende nicht existiert? Wieso sprechen wir von Beständigkeit, wenn doch jene kurze Zeitspanne im Verhältnis als Sandkorn in der Wüste der Ewigkeit erscheint, wenn doch alles vergeht? Der Genuss des Moments, so hoch das Gefühl, so groß die Endorphinausschüttung auch sein mag; bringt sie wirklich Ruhe und Zufriedenheit in ein Wesen, dessen Kern auf die Ewigkeit ausgelegt ist? Kann die Quantität an Genuss, die Qualität der Makellosigkeit kompensieren? Fragen, die jedes Mal durch die Droge des Moments verdrängt werden. Fragen, die man nicht zu stellen wagen mag, da die Antworten unbequeme Konsequenzen mit sich ziehen. Fragen, die bei einer echten Auseinandersetzung, die Wesentlichkeit der Dinge in den Fokus rücken. Doch bis dahin treibt man weiter im Sumpf des Moments und versinkt in der Droge der Verdrängung.

Ömer İbrahim Şamdanlı

Aufbruch

Und irgendwann bist du an dem Punkt, an welchem abbrechen die einzige wahre Option noch ist. Du musst manchmal abbrechen, um in einen neuen Abschnitt aufzubrechen. Du musst brechen mit der Vergangenheit und brechen mit den Normen und Werten der Gesellschaft, die dir aufgezwungen werden. Vielleicht brichst du dir selbst dein Herz bei dem Versuch mit deinen Träumen zu brechen, doch nicht jeder Abbruch ist zugleich ein Zerbrechen.

Oft ist ein Bruch mit den alten Mustern eine Chance, eine Möglichkeit, ein Aufbruch in eine neue Welt. So wie das Licht bricht und uns neue Blickwinkel zuteil werden lässt, so ist dein Brechen mit deinem alten Selbst, eine neu offenbarte Perspektive.

So zerbrich nicht an der Vorstellung abzubrechen. Breche ab, um aufzubrechen.

Ömer İbrahim Şamdanlı

Mikrokosmos

In einer schnelllebigen Zeit wie dieser, in welcher ein dramatisches Ereignis das nächste jagt, haben wir verlernt den Blick auf das Wesentliche zu richten. Bombardiert von Sinneseindrücken in Form von Fotos aus sozialen Medien, verzerrten Nachrichten auf diversen Plattformen und inflationären Nachrichten unserer Nächsten in Gestalt von WhatsApp Messages, bleibt uns keine Zeit mehr um unser selbst zu reflektieren.

Und manchmal sitzt du da. Du denkst an das Kind, das in seinem Zimmer saß und träumte. Unschuldig und rein. Die Gedanken frei. Keine Zwänge, sei es die Gesellschaft oder irgendwelche Umstände, nichts, aber auch gar nichts, dass die Gedanken einschränkte. Dieses Kind, welches Träume hatte. Und auch, wenn es noch keine Ideale und Prinzipien kannte, doch einfach aufrichtig war.

Du denkst an jenes Kind, jedoch wirft der Blick in den Spiegel dich zurück in die Gegenwart. Ein von Sorgen geplagter Mensch, der versucht seinem Umfeld und den gegebenen Umständen sich anpassend zu verhalten. Ein Roboter, der nur nach dem geschriebenem Programm handelt und denkt.

Das Kind, welches noch seine Träume hatte; dieses Kind ist nicht mehr da.

Und du fängst an zu realisieren, dass all der vermeintliche Fortschritt, die Technik, all das Geld und die Bestätigung der Gesellschaft, der Status und jegliche Oberflächlichkeit, keinen Wert mehr tragen .

Denn sie sind der Grund für den Verlust deiner Träume. Sie ließen dich vergessen, wer du bist und was du bist, wo du herkommst und wohin du kommen wirst.

Sie ließen dich DICH vergessen.

Der Blick ist betrübt. Ob es Zufall ist, dass Leben rückwärts gelesen Nebel heißt?

Es ist genau jener Nebel der Schnelllebigkeit, welcher uns die Beständigkeit raubt. Wie ein Meteoritenhagel prasseln tausende Dinge auf uns tagtäglich ein. Es bleibt nicht mal Zeit Luft zu holen und das nächste vermeintliche Drama steht schon bevor.

Jedoch, ist es so dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Und auch die Ameise hält in ihrem Mikrokosmos einen Tropfen Wasser für einen Tsunami.

Wir sind wie die Ameise gefangen in unserem Mikrokosmos. Der Blick und die Gedanken eingeschränkt; sie sind gefangen im Käfig der Normen und Werte der hiesigen Gesellschaft.

Doch, auch wenn es selten ist, hörst du manchmal dieses innere Kind in dir. Und du schaust hoch bei Nacht. In der Tiefe dieses schwarzen Himmels erkennst du die Sterne und beginnst dich zu erinnern. Und dir wird plötzlich wieder klar wie klein doch alles im Verhältnis ist. Für einen kleinen Moment wagen deine Gedanken den Ausbruch aus dem Gefängnis und auf einmal tauchen ganz neue Fragen auf. Fragen, die du in deinem täglichen Mikrokosmos niemals zu stellen wagen würdest. Fragen, die deinen Mikrokosmos in Frage stellen. Fragen, die nach dem Sinn fragen.

Und nun sitzt du da wie damals in deinem Zimmer und schaust nach oben. Wie das Kind damals träumst du und deine Gedanken sind grenzenlos in der Tiefe des Nachthimmels.

Bis es wieder Tag wird und der Sog des Mikrokosmos dich verschlingt und die Gefängnistür zugeschlagen wird.

Ömer İbrahim Şamdanlı

Grenzen

Der Weg ist nicht linear. Er hat viele Abzweigungen und Versuchungen, die uns von ihm abkommen lassen können und schlimmstenfalls sogar so weit weg führen, dass man auf den eigentlichen Pfad nicht mehr zurückfindet. Die Versuchungen sind allgegenwärtig; manchmal in Form von Begierden hinsichtlich materieller Sehnsüchte, manchmal in Form von vermeintlichen Freunden, die einen vom Weg abirren lassen.

Sie rufen dich und heißen dich willkommen, doch ist Ihre Einladung zumeist der Weg, der einen ins Verderben stürzt. Fatal ist dabei, dass das alles augenscheinlich nicht so schlimm vorkommen mag. Jedoch fallen mit der Zeit immer weiter die Hemmungen und Prinzipien bis man aus diesem Sog des falschen Umfelds nicht mehr herausfindet.

Aus diesem Grund ist es von Nöten, sich klare Grenzen und Prioritäten zu setzen, um diesen Türen der Abzweigungen einen Riegel vorzuschieben. Nur, wenn man sich bewusst ist, was man im Leben erreichen möchte und wer man sein will, kann man seinen Fokus auf den geraden Weg richten.

Und dieser Fokus verlangt nunmal auch die Grenzen zu vermeintlichen Freunden zu ziehen; nicht aus einer Verurteilung heraus, sondern vielmehr aus reinem Selbstschutz.

Ömer İbrahim Şamdanlı

Dankbarkeit

Oft stecken Wir unsere Energie in jegliches vergängliches, so dass Wir kaum noch den Blick für die Gaben und Möglichkeiten haben die uns zur Verfügung stehen.

Jedoch ist genau diese Annahme, jene Gaben als Selbstverständlichkeit zu sehen eine fatale, denn durch die Verkennung des wahren Reichtums fängt der nimmermehr satt werdende Hunger nach zeitlich begrenztem Konsum an.

Ist man einmal in diese Falle getappt, so kämpft man mit vielen Mitstreitern um das ,,Mehr“ , jedoch merkt gar nicht wie man im Treibsand der Zeit versickert und der Abstand zum erhofften vermeintlichen Glück immer ,,Mehr“ wird.

Dieses Meer an ,, Mehr“ ist in der heutigen Zeit scheinbar endlos an der Zahl.
Und jeder Versuch dieses ,,Mehr“ zu einem ,,Genug“ zu wandeln scheitert, bedingt durch die irrige These, etwas materielles, vergängliches sei erfüllend hinsichtlich der Leere, die man verspürt.

Deshalb sollte man sich von diesen Ketten freimachen und den Sinn zur Genügsamkeit entwickeln.

Einmal in sich gehen und dankbar zu sein, für all die Gaben, die einem jeden Tag zur Verfügung gestellt werden und diese nicht zur Selbstverständlichkeit verkümmern lassen.

Um nicht zu sein wie jene, die nach dem Leitsatz leben:

,, Mehr war nicht Genug.“.

Ömer Ibrahim Samdanli

Geltungsdrang

Oft ist es ein schmaler Grad zwischen einer extrovertierten Persönlichkeit und verkrampftem Geltungsdrang.

Ohne Frage gibt es die Persönlichkeiten, welche extrovertierter Natur sind.

Jedoch fällt auf, dass in einer Zeit, die geprägt ist von Schnelllebigkeit und Unbeständigkeit, dass bei vielen die Befürchtung mitschwingt in der breiten anonymen Masse unterzugehen.

Vielleicht ist es genau diese Angst als Individuum nicht mehr wahrgenommen zu werden, die viele Menschen heutzutage veranlasst krampfhaft ihr Leben nach außen zu tragen, um die so erhoffte Wahrnehmung zu erreichen.

Die Suche nach Beachtung führt bei vielen zu einer Spirale des Konsums.

Bestätigung und Wahrnehmung werden zur Droge.

Dabei ist stets dem aktuellen Ideal der Zeit zu entsprechen um die gesuchte Genugtuung hinsichtlich der Beachtung von Außenstehenden zu erlangen.

Paradox ist jedoch, dass durch das Streben nach jener Bestätigung, sich ein jeder so verstellt und verbiegt, um das geforderte Ideal widerzuspiegeln, dass letztendlich die eigene Persönlichkeit komplett verdrängt wird.

Stattdessen wird ein künstliches erzwungenes Selbstbild erschaffen, welches im Käfig des gesellschaftlichen Ideals gefangen ist.

Dieser Prozess führt zum Phänomen, dass jene, welche angetrieben von ihrem Geltungsdrang sich Gehör und Wahrnehmung zu verschaffen, sich jedoch genau in die Masse derer einfügen, welche dem vorgegebenen Ideal entsprechen wollen.

Dieses hat letztlich zur Konsequenz, dass in den heutigen sozialen Medien, überwiegend Klone auftauchen, die sich sowohl optisch als auch in ihren Steckbriefen nicht mehr wirklich unterscheiden lassen.

Eine Horde voller Zombies, die dem Drang nach Bestätigung verfallen sind, wobei sie nicht mehr merken, dass genau dieser ihre Persönlichkeit auf ein Standardformat reduziert und somit ihre Einzigartigkeit als Individuum vernichtet.

Ömer İbrahim Şamdanlı

Die Weite

Es ist weiß. Es ist unendlich weit. Der Horizont offenbart sich dir. Einmal da und nie wieder zurück. Ein Gefühl von Reinheit; ein Filter für dein Bewusstsein. Eine Schärfung deiner Sinne. Stille, die dich berührt. Sie klingt wie die Melodie der Vollkommenheit. Harmonie. Überall wohin du auch schaust, erkennst du Frieden. Frieden, der durch eine Gewalt zustande kommt, die deine Wahrnehmung übersteigt. Und du fängst an zu verstehen, dass hinter all den banalen, für uns zur Selbstverständlichkeit verkümmerten Dingen, so viel mehr ist, die es wert sind deren Ursprünge zu ergründen. Mindestens es zu versuchen. Jeder hat seine Vorlieben. Jedoch ist das, was mich umhertreibt das weiße Weite. Die Kälte. Die Reinheit. Die Perfektion, die Demut hervorruft. Ja und vielleicht auch die Stille und Einsamkeit. Denn auch, wenn der Schnee nicht redet. Sogleich der klirrende Wind auch nicht antwortet. Vermitteln diese dennoch eine Botschaft. Eine Botschaft, die gerecht und wahr ist. Eine Botschaft, die rein ist. Vielleicht sind es jene Gründe, warum mich diese weiße Weite anzieht. Denn manchmal musst du das weiße Weite suchen, um dir selber wieder nah sein zu können.

Ömer İbrahim Şamdanlı

Die Vergessenen

Man kann es als Fluch oder Segen ansehen, doch ist es Tatsache. Der Mensch vergisst; sehr oft und sehr gerne.

Alles negative blendet er gerne aus. All die Taten, die er begangen hat und all die Worte, die seinen Mund verließen.

Er vergisst.

Alles Gute scheint auch zu schwinden. All die Gaben und kostbaren Geschenke. Jene gewährte Zeit und Gesundheit.

Der Mensch vergisst.

Er vergisst, was er zu verüben vermochte und vergisst, was ihm an Gaben zuteil wurde. Jedoch, vergisst er kein Übel, dass ihn traf. Aus heiterem Himmel; vermeintlich ohne Grund.

Der Mensch vergisst.

Und so vergaß er, dass die Gerechtigkeit niemals vergisst. Sie holt ihn ein, die Vergangenheit; und lässt ihn sich erinnern an das, was er zu vergessen pflegte.

So sollte der Mensch sich hüten die Zeichen zu vergessen, um nicht an jenem Tage selbst zu den Vergessenen zu zählen.

Ömer İbrahim Şamdanlı

Konsequenz

Wie oft stehen wir vor neuen Türen und hoffen, dass hinter ihnen das lang ersehnte Glück auf uns wartet. Wir denken jedes Mal, dass diese eine Tür jene ist, die man schon so lange gesucht hat. Voller Hoffnung und Zuversicht steht man vor dieser Tür. Die Sachen gepackt, der Blick fokussiert, als würde man schon durch sie hindurch das Ziel sehen.

Wir stehen vor jener Tür und warten.

Doch, was passiert nun, wenn diese nicht aufgeht? Wenn sie einfach geschlossen bleibt?

Man hat solche Anstrengungen und Mühen unternommen, um diese Tür zu erreichen. Alles hat man vorbereitet. Man kann regelrecht schon die Zukunft voller Glück hinter ihr sehen, ja sie sogar riechen, förmlich spüren. Alles, was nun zwischen einem selber und dem lang ersehnten Glück steht, ist diese Tür.

Aus diesem Grund muss sie aufgehen. Nein. Sie wird aufgehen. Es muss einfach sein. Sonst wäre doch alles umsonst gewesen.

Und so stehen wir vor jener Tür und warten nunmehr nicht nur. Wir versuchen mit aller Macht sie zu öffnen, notfalls sie einzubrechen. Das Glück ist doch so nah.

Jedoch, haben wir nicht verstanden, dass die mit Gewalt und Zwang geöffnete Tür, niemals die erhoffte Glückseligkeit bringen wird. Das Glück kann man nicht erzwingen.

Es hat einen Grund, warum diese Tür nicht aufgehen will. Einen schützenden Grund. Doch durchbrechen wir unseren eigenen Schutz, weil wir nicht konsequent sind in unseren Handlungen. Konsequent genug, um umzudrehen und zu akzeptieren, dass jenes erhoffte Glück hinter einer anderen Tür liegt, die sich zur rechten Zeit offenbaren wird.

Ömer İbrahim Şamdanlı