Treue

Die Wörter Treue und Loyalität werden heute so inflationär benutzt, wie vielleicht noch nie. Zwei Tugenden, die zu einem guten Charakter einfach dazugehören.

Jedoch wird Treue heutzutage, fast nur noch in Verbindung mit zwischenmenschlichen Beziehungen gebracht. Man assoziiert Loyalität und Treue nur noch mit einer Partnerschaft, sei es eine Liebesbeziehung oder eine Freundschaft.

Man vergisst dabei, dass das Prinzip der Treue nicht nur auf diese zwei Aspekte begrenzt ist. Vielmehr ist es so, dass das Verständnis von Loyalität eines Menschen hinsichtlich zwischenmenschlicher Beziehungen, von einem ganz anderen Aspekt bedingt ist.

Dieses ist die Treue und die Loyalität zu sich selber. Es ist essentiell sich selber d.h. seinen eigenen Werten und Normen treu zu bleiben, sich dem eigenen Weltbild und den daraus resultierenden Prioritäten gegenüber loyal zu verhalten.

Denn, wenn man es eben nicht schafft, das Prinzip der Treue für sein eigenes Ich anzuwenden, wird man es auch nicht schaffen, Loyalität in anderen Sphären des Lebens zu etablieren.

Unser innerstes ist immer ein Spiegelbild unserer äußerlichen Taten, deshalb ist es von Nöten, die Treue und die Loyalität gegenüber uns selbst zu leben.

Wenn genau dieses nicht geschieht, ja dann stehen wir in einem Missverhältnis und sehen die Konsequenzen in verheerender Form. Mitmenschen werden belogen, betrogen und Versprechungen werden nicht eingehalten.

Dies, weil man selber das Prinzip der Treue nicht verstanden hat und es selber für sich nicht anwendet, sodass keine Hemmungen mehr aufzufinden sind, die daran hindern könnten, die Loyalität auch an anderer Stelle einfach wegzulassen.

Denn, wer sich selber nicht treu sein kann, der wird es auch nicht bei anderen können.

Ömer İbrahim Şamdanlı

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Perspektive

Drei Worte. Neun Buchstaben. Leicht auf der Zunge doch mit verheerender Wirkung. Eine Frage wie ein Test, ja sogar ein Ultimatum. Entscheidung über Sympathie und Ablehnung. In Erwartung einer Anklage. Mit dem Beigeschmack einer bevorstehenden Verurteilung.

Was bist du ?

Doch wie lautet die richtige Antwort?

Jedes Wort wiegt schwer auf der Waagschale. Darum wähle mit Bedacht. Vorsicht ist geboten, jedoch Ehrlichkeit Pflicht. Viel preisgeben wäre nicht klug. Doch ein Standpunkt ist essentiell. Das Antizipieren der Reaktion scheint unmöglich.

Die Perspektive gibt den Ton an.

Und jeder spielt eine andere Melodie. Verschiedene Tonarten. Diverse Instrumente. Variationen in jeder Form.

Unvorstellbar Kongruenzen zu finden in einer Welt voller Diversifizierungen. Jede Antwort scheint vergeblich. Eine Abgrenzung unvermeidbar, ja sogar eine Diskrepanz. Womöglich springt einem Intoleranz gleich entgegen. Rechtfertigungen sind vorzulegen.

Alternativen sucht man vergebens. Ein rettendes Boot. Ein gemeinsamer Nenner. Ein Weg die Teilung zu unterbinden. Die Spalte zu schließen. Zumindest zu verkleinern . Wenigstens am weiteraufreißen zu hindern. Trotz der Fülle an Verschiedenheiten, einen Strohhalm der Gemeinsamkeit.

Und da erscheint es wie ein Blitz.

Völlig untergegangen in einer Zeit voller Spezifikationen und Besonderheiten. Unterteilungen und Abgrenzungen. Gezwungenem ,, Anders sein“und Geltungsdrang. Die einzige echte Alternative. Die gesuchte Kongruenz. Der gemeinsame Nenner.

Homine.

Ömer Ibrahim Samdanli

Scheideweg

Abermals kommst du an jenen Punkt. Abermals hast du die Wahl. Abermals musst du abwägen.

Der Rahmen ist determiniert, jedoch sind es deine Entscheidungen, die darüber bestimmen, welchen Weg du innerhalb jenen Rahmens gehst. Was willst Du? Wohin willst Du? Und vielleicht die wichtigste Frage:

„Wie willst Du dahin?“

Die Art und Weise ist das Wesentliche auf deinem Weg, denn der Rahmen ist vorgegeben, Geschehnisse sind vorprogrammiert, jedoch ist es deine Absicht, die das „Wie“ bestimmt.

Dinge werden geschehen, Erlebnisse wirst du durchmachen müssen; Siege wie Niederlagen, Schicksalsschläge wie Segnungen. Diese Dinge sind feste Parameter, vorherbestimmt, diese Dinge sind geschrieben.

Dir obliegt es nun, in diesem Rahmen, deinen Weg zu wählen. Und damit ist nicht die tatsächlich eingeschlagene Richtung gemeint, nein, vielmehr geht es um die Entscheidungsfindung in deinem Kopf. Für Wen oder Was entscheidest du dich? Wie setzt du deine Prioritäten?

Du wirst den Rahmen nicht ändern können, jedoch wird deine Wahl in deinem Herzen zeigen, wer du bist.

Ömer İbrahim Şamdanlı

رمضان

Stell dir vor es gibt einen Zeitraum, in welchem du alles hinter dir lassen kannst. Einen Ausweg aus der Schnelllebigkeit des Alltags. Eine Tür, die hinaus aus dem Labyrinth der Probleme führt. Eine Zeit, welche die Macht hat, all das Vergangene, all die Erlebnisse auszulöschen. Eine Zeit, die es schafft die Ruhe in dein Herz zu pflanzen und all das unnötige Unkraut beseitigt. Einen Zeitraum, welcher dir die abhandengekommene Hoffnung und Zufriedenheit wieder in dein Leben ruft.

Stell dir vor diese Zeit gäbe es wirklich. Stell dir vor dieser Zeitraum stünde kurz bevor. Was würdest du tun?

Ömer İbrahim Şamdanlı

And still…

Catch me if you can.

Denn wir sind mittlerweile in einer Zeit angekommen, in welcher Quantität vor Qualität, Verpackung vor Inhalt und die virtuelle Präsenz vor den wirklichen Charakter gestellt wird. Es wird fröhlich einsortiert in Schubladen, denn Menschen in Kategorien einzuordnen, ist nunmal des Menschen liebste Leidenschaft. Die Konsequenz, die sich daraus ergibt ist im Grunde sehr einfach und logisch; es werden im Sekundentakt Urteile über Menschen gefällt, von denen man gerade einmal eine Momentaufnahme ihres Lebens Zu Gesicht bekommen hat. Ein ganzes Leben über viele Jahre mit einer Momentaufnahme zu relativieren und in eine Kategorie einzuordnen, zeugt einfach davon, dass man selber etwas zu kompensieren hat. Man ist selbst unzufrieden oder weiß gar nicht wer man ist und wo man hingehören möchte. Wenn Desorientierung das Leben bestimmt, so sucht man sich den Halt mittels einer willkürlichen Zuordnung von Menschen, um die Welt für sich einfach zu halten. Ein Leben hat so viele Erinnerungen, Erlebnisse; es ist eine Geschichte, die nicht auf eine Bildsequenz reduziert werden kann. Der Charakter, die Persönlichkeit, Dinge, die erst zum Vorschein kommen, wenn man mühsam an der Oberfläche gekratzt hat. Es erfordert Geduld und Beständigkeit, um einen Menschen hinsichtlich diesen zwei Aspekten zu erfassen. Jedoch, gibt es da noch eine ganz andere, kleine, verborgene Welt, die selbst durch akribische Analyse nicht zum Vorschein kommt. Sie ist die geheime Welt, tief verborgen im Herzen eines jeden, worin man alle Träume, Hoffnungen, Ängste und Sorgen sowie Werte und Normen, den Glauben unter Verschluss hält. Gut geschützt und abgekapselt von der Außenwelt.

Diese Welt offenbart sich dem Außenstehenden weder durch eine Momentaufnahme in Form von Social Media postings noch durch penetrantes Kratzen an der Oberfläche. Diese Welt offenbart sich nur, wenn der Mensch es auch zulässt und demjenigen vertraut.

Denn sein Innerstes preiszugeben ist die höchste Form von Vertrauen und sollte niemals für die anonyme Masse offengelegt werden, weil man Gefahr läuft, wieder nur kategorisiert zu werden. Und so werden heute viele in gewisse Schubladen einsortiert, wohingegen in ihren Herzen komplett andere Welten herrschen.

Ömer İbrahim Şamdanlı

Wachstum

Und damit ist gemeint kontinuierliches, stetiges, sich immer steigerndes Wachstum. Eine Wirtschaftsform? Nein, vielmehr ein Bekenntnis. Ein Glaube. Eine Religion.

Das Mantra des ewigen Wachstums, welches als Wirtschaftsform getarnt, sich durch alle gesellschaftlichen und zwischenmenschlichen Ebenen zieht. Ein Gebilde, welches längst einen Stacheldraht durch das Gehirn gezogen hat und die Menschen innerhalb seiner Grenzen gefangen hält.

Und aufgrund der Tatsache, dass es eine Religion geworden ist, wird jeder Kritiker und Gegner als Ketzer und Spinner abgetan. Nur wer es schon wagt die Systemfrage zu stellen wird schon verbal gesteinigt und alle Versuche werden im Keim erstickt.

Denn dieses System, so versuchen Sie die Masse zu konditionieren , unterstützt durch die neue Exekutive im Land, namentlich die Presse, sei alternativlos.

Alternativlos und der einzige wahre Weg. Pluralismus und Freiheit werden gepredigt. Der Spiegel der Realität zeigt allerdings das genaue Gegenteil.

Eine Diktatur des Systems.

Und diese Diktatur ist schon längst nicht mehr auf eine wirtschaftliche Ebene beschränkt. Nein, diese Diktatur hat schon längst Einzug in unser aller Leben genommen. Konditioniert auf Wachstum, macht sich der Mensch kaputt, vergeudet seine Zeit mit banaler Arbeit ohne Mehrwert, vernachlässigt seine Nächsten und verrät seine Werte und Ziele. Das alles, um noch einen Cent mehr als letzten Monat zu verdienen, um im Konsumwettbewerb mithalten zu können; keiner möchte ja abgehängt werden.

So muss man wachsen. Wachstum. Immer mehr und mehr. Stagnation oder auch früher mal Ruhe genannt ist Gift, denn irgendwer muss ja die Zinsen des Kapitals in der Realität erwirtschaften.

Immer mehr und mehr. Bis eines Tages auf dem Grabstein steht: ,,Mehr war nicht genug.“

Ömer İbrahim Şamdanlı

“ Über ihm ist 19“

Normalerweise beginnt alles mit dem 1. Schritt; das 1. Mal die Augen öffnen, das 1. Mal sprechen, das 1. Mal gehen und auch das 1. Mal hinfallen. Viele 1. Schritte im Kreislauf dieses Lebens, die 1 als Alpha, als Beginn von Allem. Normalerweise …

Doch, was ist schon normal in dieser Welt und woher nehmen wir uns das Recht überhaupt den Maßstab dafür festzulegen. Und so war es nicht verwunderlich, dass meine Reise nicht mit der magischen Zahl 1, sondern mit der 19 begann.

Mit ihr begann Alles; das Weiten der Brust für etwas, dass von Sinnen nicht wahrnehmbar ist, das Öffnen des Herzens für Jemanden, der schon seit Anbeginn deines Daseins mit dir war. Es war die Auseinandersetzung mit einer Realität jenseits von unserem empirisch geprägten Rationalismus. Eine Macht, die ihre Gewalt überall um uns herum erkennen ließ, jedoch in ihrem Ursprung für uns doch unergründlich ist. Eine Zahl so besonders, wie ihre Zusammensetzung

1 wie das Alpha, 9 wie das Omega; Anfang und Ende. Durch sie schloss sich der Kreis, die Frage nach Ursprung und Bestimmung wurde auf eine Art und Weise beantwortet, die wenn man aufrichtig ist, jenseits der menschlichen Kapazität liegt, ja jenseits vom Diesseits liegt.

Ein Beweis, so stichhaltig, dass man nur in voller Demut auf die Knie absinkt, in Dankbarkeit für diese klare Antwort; oder sich mit ignorantem Hochmut abwendet und mit dem Trugbild weiterlebt, jedoch genau im Herzen weiß, dass man sich selber belügt.

Für mich war sie schließlich die Antwort auf alle meine Fragen. Jedoch, war sie auch eine Verpflichtung für die Zukunft, denn mit ihr öffneten sich meine Augen. Wissen und Verständigkeit bringt Verantwortung mit sich. Vor allem war und ist es die Verantwortung hinsichtlich meiner Taten und welchen Weg ich einschlage.

Und so war sie damals ein Schlüssel, der mir in die Hand gedrückt wurde. Sie begleitet einen durch das Leben und lässt überall ihre Handschrift erkennen. Immer wieder beseitigt sie Zweifel, immer wieder ist sie ein Wächter der Wahrheit.

“ Über ihm ist 19“.

Ömer İbrahim Şamdanlı