Wachstum

Und damit ist gemeint kontinuierliches, stetiges, sich immer steigerndes Wachstum. Eine Wirtschaftsform? Nein, vielmehr ein Bekenntnis. Ein Glaube. Eine Religion.

Das Mantra des ewigen Wachstums, welches als Wirtschaftsform getarnt, sich durch alle gesellschaftlichen und zwischenmenschlichen Ebenen zieht. Ein Gebilde, welches längst einen Stacheldraht durch das Gehirn gezogen hat und die Menschen innerhalb seiner Grenzen gefangen hält.

Und aufgrund der Tatsache, dass es eine Religion geworden ist, wird jeder Kritiker und Gegner als Ketzer und Spinner abgetan. Nur wer es schon wagt die Systemfrage zu stellen wird schon verbal gesteinigt und alle Versuche werden im Keim erstickt.

Denn dieses System, so versuchen Sie die Masse zu konditionieren , unterstützt durch die neue Exekutive im Land, namentlich die Presse, sei alternativlos.

Alternativlos und der einzige wahre Weg. Pluralismus und Freiheit werden gepredigt. Der Spiegel der Realität zeigt allerdings das genaue Gegenteil.

Eine Diktatur des Systems.

Und diese Diktatur ist schon längst nicht mehr auf eine wirtschaftliche Ebene beschränkt. Nein, diese Diktatur hat schon längst Einzug in unser aller Leben genommen. Konditioniert auf Wachstum, macht sich der Mensch kaputt, vergeudet seine Zeit mit banaler Arbeit ohne Mehrwert, vernachlässigt seine Nächsten und verrät seine Werte und Ziele. Das alles, um noch einen Cent mehr als letzten Monat zu verdienen, um im Konsumwettbewerb mithalten zu können; keiner möchte ja abgehängt werden.

So muss man wachsen. Wachstum. Immer mehr und mehr. Stagnation oder auch früher mal Ruhe genannt ist Gift, denn irgendwer muss ja die Zinsen des Kapitals in der Realität erwirtschaften.

Immer mehr und mehr. Bis eines Tages auf dem Grabstein steht: ,,Mehr war nicht genug.“

Ömer İbrahim Şamdanlı

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[Auszug aus meinem Buch]

….

Meine Geschichte beginnt mit einer Zäsur des jungen 21. Jahunderts. Der 11. September 2001. Wer könnte den Tag je vergessen. Eingebrannt in das kollektive Gedächtnis. Und mit auch der Startschuss zur Bekämpfung des islamistischen Terrors, der auf anhieb zur Bedrohung Nr. 1 aufstieg. Damals konnte man die Ausmaße gar nicht vorhersehen. Ich meine ich war ja auch erst 9. Dennoch verstand man, dass es was großes war; etwas in der Welt würde sich verändern, auch für mich. Bis dahin war das Böse immer weit weg. Doch nun war es ganz nah. Und mit der Zeit fand ich sogar heraus, dass ich selbst das Böse bin. Es jedenfalls verkörpere. Nun ja, ich muss gestehen, dass ich Muslim bin. Und ich meine wirklich gestehen. Nicht, dass ich mich dafür schämen würde. Im Gegenteil ich bin aus Überzeugung dem Islam zugehörig. Dennoch wird dieses Bekenntnis in unserer heutigen Gesellschaft mit Argwohn betrachtet. Obwohl man hier geboren und aufgewachsen ist, merkt man doch immer wieder im Alltagsleben, dass man nicht so ganz zugehörig ist, was nicht so schlimm ist, da man sich arrangiert hat. Ich will mich sowieso nicht beschweren. Ich meine klar hat man so seine alltäglichen Probleme. Der Klassiker ist natürlich der schräge Blick einer älteren Dame, wenn man wieder mal den Bart etwas länger trägt. Den Blick zu deuten ist gar nicht so schwer. Es gibt im wesentlichen zwei Alternativen. Entweder sie hat wirklich Angst, dass ich sie mit einer Detonation von der Rentenarmut erlöse oder sie hält mich für den Grund der Rentenarmut in Deutschland. In beiden Fällen bleiben es jedoch lediglich ihre Blicke, welche detonieren und mit einem lauten Knall mich aufwachen lassen. Aufwachen und erkennen lassen, dass obwohl ich hier in diesem Land geboren und aufgewachsen bin, ich mehr und mehr als Ursache für alles Schlechte verantwortlich gemacht werde. Aber wer will es ihr verdenken. Ich meine bei der Berichterstattung über Muslime und den Islam müsste ich selbst Angst beim Blick in den Spiegel bekommen. Ich sag ja man hat sich arrangiert, oder besser gesagt abgefunden damit. Und trotzdem ist es kein Grund sich zu beschweren. Es ist alles gut. Meiner Familie geht es gut. Mir geht es gut. Ich habe den Luxus zu studieren und arbeite nebenbei. Ich bin bei bester Gesundheit und mir fehlt Gottseidank nichts. Ein erfülltes Leben sollte man meinen. Würde ich von außen betrachtet auch tun. Doch fühlt man im inneren eine gewisse Leere. Und das führt uns zur eigentlichen Geschichte. Wie erfährt man Erfüllung? Was ist Erfüllung?

Jeder Genuss hatte, so schön er auch war eine negative Seite an sich. Ein kleiner Makel, der den scheinbar perfekten Urlaub zu Nichte machte, ein kleiner Schönheitsfleck, der mein neu erworbenes Macbook wie Schrott dar stehen ließ, ein kleiner Streit, der eine jahrelang, vermeintlich perfekte Beziehung als den größten Fehler entpuppte. Dies führte mich zu der Frage, ob es das Perfekte überhaupt gäbe. Alles, was man bis dato erlebt hatte, so schön es auch war, offenbarte doch irgendwo einen Makel. Jedoch, war mir schon früh klar, dass Erfüllung etwas makelloses sein musste; etwas halt perfektes. Doch fangen wir mal von vorne an. ………..

Ömer İbrahim Şamdanlı

Der Öffnende الفتاح

Oft möchte man eine Sache so sehr, dass man alles um sich herum vergisst. Nicht nur um sich, sondern auch vor allem in sich. Das Herz ist so erfüllt mit der Idee, dass man bereit ist die eigenen Prinzipien, Werte und ja sogar den Glauben zu übergehen. Um dem Wunsch des Nafs nachzukommen, scheint jedes Mittel recht zu sein, jedoch vergisst man in der Eifersucht, dass der gerade Weg, genau dieses ausschließt.

,,Ihdinas sirat al-mustaqeem“

Und dieser gerade Weg, dieser verbietet das Prinzip: ,,Der Zweck heiligt die Mittel.“ Denn auch, wenn man eine gute Absicht hat, legitimiert diese Absicht nicht die Art und Weise, wie wir unsere Ziele erreichen.

Oft sind wir in einem Zwiespalt der Gefühle. Kopf gegen Herz. Vernunft gegen Gefühl. Tawakkul gegen Nafs. Jeder kennt das Dilemma, wenn man etwas unbedingt will, doch dieses eine in dem Moment nur zu erreichen ist, wenn man seine Prinzipien und seinen Glauben übergeht.

In dieser Situation liegt eine Prüfung. Eine Prüfung unserer Ehrlichkeit und Loyalität. Eine Prüfung unseres Tawakkul.

Wem wir folgen und wie stark wir sind hängt von unseren Entscheidungen ab. Das Ziel, welches erreicht wurde ohne Rücksicht auf die richtige Art und Weise, wird niemals den Segen bringen, den wir uns erhoffen. Letztendlich wird man beides verlieren. Das, was man unbedingt wollte und auch das eigene Gesicht, denn man hat sich selber und seinen Glauben verraten, um so schnell wie möglich sein Nafs zu befriedigen.

So ist Tawakkul von Nöten, um sich in Geduld zu üben. Denn, wer etwas fi sebilillah lässt, dem wird الفتاح (Der Öffnende) eine Tür zeigen, die weit besser ist, als das was er vorher anstrebte.

Ömer İbrahim Şamdanlı

Flucht

In einer Zeit, in welcher wir uns immer mehr entfremden von uns selbst. In der Einsamkeit und Stille unerträgliche Zustände darstellen. In diesen Zeiten ist es von Nöten, dass wir wieder lernen mit uns selber auszukommen. Die Konfrontation mit dem eigenen Sein, ist wohl die schmerzhafteste Erfahrung eines jeden. Dies, weil die Reflexion unserer Seele immer desillusionierend ist und uns die ungeschönte Wahrheit offenbart. Oftmals flüchten wir vor der Einsamkeit und Stille, um jener Konfrontation zu entgehen und stürzen uns krankhaft in die Welt der sozialen Medien. Durch diese erhoffen wir uns Resonanz und Feedback und füttern unser Ego mit trügerischer Bestätigung in Form von Likes und Followern.

Man ist ständig auf der Flucht vor sich selbst. Eine Flucht vor der Konfrontation mit sich selber. Die geschönte Seifenblase, die man sich geschaffen hat, kapselt einen ab von der Wahrheit.

Doch, nur die Auseinandersetzung mit dem eigenen Sein bringt den Menschen in das Gleichgewicht, in einen Zustand von Ruhe und Zufriedenheit, die er ja von Anfang an sucht und vergeblich versucht auf anderem Wege zu simulieren. Der, der es schafft sich selber in die Seele zu schauen und nicht vor dem Schmerz der Wahrheit flüchtet; nur der hat auch die Möglichkeit sich selber kennenzulernen. So ist der Mensch, der gelernt hat mit der Einsamkeit zu leben, ein unabhängiger Geist. Denn er fürchtet nicht die Konfrontation mit sich selbst, ist nicht abhängig von Bestätigungen von außen, sondern strebt die Selbstakzeptanz an.

Ömer İbrahim Şamdanlı

Zeit

Die Zeit fließt im Fluss der Geschehnisse. Jene, die nicht mehr unter uns weilen, lässt sie vergessen im nächsten Augenblicke. Zu schnell für die, welche ihr Glück fanden. Endlos langsam für jene, die ihre Leiden plagten. Doch, fließt sie unermüdlich im gleichen Takt. Ein gemäßigter, gleichmäßiger Strom, den nichts zu stoppen vermag. Dem einen sein Freund, dem anderen sein Feind. Obgleich sie beide das gleiche ereilt. So merkt der Mensch am Ende seiner Zeit, was denn wirklich nach seinem Tode verbleibt. Denn all das Glück und auch all das Leid, ließen ihn vergessen die Ewigkeit.

Ömer İbrahim Şamdanlı

رمضان

Stell dir vor es gibt einen Zeitraum, in welchem du alles hinter dir lassen kannst. Einen Ausweg aus der Schnelllebigkeit des Alltags. Eine Tür, die hinaus aus dem Labyrinth der Probleme führt. Eine Zeit, welche die Macht hat, all das Vergangene, all die Erlebnisse auszulöschen. Eine Zeit, die es schafft die Ruhe in dein Herz zu pflanzen und all das unnötige Unkraut beseitigt. Einen Zeitraum, welcher dir die abhandengekommene Hoffnung und Zufriedenheit wieder in dein Leben ruft.

Stell dir vor diese Zeit gäbe es wirklich. Stell dir vor dieser Zeitraum stünde kurz bevor. Was würdest du tun?

Ömer İbrahim Şamdanlı

Selbstfindung

Der Panzer ist stabil. Eine Mauer, die nichts von Außen hereinlässt. Abgekapselt von der Welt. Immer darauf bedacht auf Distanz zu bleiben.

Dies, weil die Narben tief sind. Die Vergangenheit hat geprägt. Menschen, die in das Leben traten verschwanden so schnell sie gekommen waren. Doch nahmen sie die Hoffnung und Zuversicht mit. Das unschuldige Denken. Die Unbeschwertheit, jemand fremdes objektiv entgegenzutreten und auf dessen Worte zu vertrauen; diese Unbeschwertheit wurde gestohlen. Gestohlen von Menschen, deren Handeln bestimmt ist von ihrem egozentrischen Dasein ohne eine Spur an Rücksicht auf ihre Mitmenschen.

Und so stumpft das Herz ab mit den Erfahrungen, die man macht. Einst aufgeschlossen und den Menschen gegenüber positiv gesinnt, wird nun Distanz versucht aufrechtzuerhalten, da immer die Angst mitschwingt, man könne wieder einem Exemplar Mensch begegnen, der schon in der Vergangenheit mit dem Messer hinterrücks zustach.

Man hat Angst zu vertrauen. Den Panzer abzulegen. Die Mauer niederzureißen und jemand in sein Leben zu lassen. Man hat Angst sich selber wieder zu verlieren wie es in der Vergangenheit schon der Fall war bedingt durch die manipulative Art jener Menschen. Man hat schlichtweg Angst, dass sich alles wiederholen könnte und verbleibt lieber in einer abgekapselten, eigenen Welt als sich dem Risiko auszusetzen.

Das Paradoxe jedoch ist, dass man mit dem Versuch der Abkapselung sich selber nicht mehr verlieren zu wollen, genau in diese Falle fällt. Denn, wenn man zulässt, dass die Angst, welche bedingt ist durch Enttäuschungen in der Vergangenheit, die Kontrolle über die Gegenwart und Zukunft übernimmt, dann hat man genau das erreicht, was man vermeiden wollte, nämlich das Verlieren des eigenen Seins. Die Angst bestimmt unser Sein und wir verlieren unsere Persönlichkeit.

Aus diesem Grund muss man sich seinen Ängsten stellen und auch das Risiko einer erneuten Enttäuschung eingehen, denn es könnte sein, dass auf der anderen Seite der Mauer ein Mensch wartet, der all die Sorgen, all den Schmerz und all die Last, die man schon lange im inneren fühlt, stemmen könnte.

Jeder von uns lacht in der gleichen Sprache, doch wie wir trauern, das verraten wir keinem. Die Person, welche die Sprache unseres Schmerzes versteht und in der Lage ist diese Last zu tragen; auf Sie lohnt es sich zu warten und den Panzer abzulegen.

Ömer İbrahim Şamdanlı

Die Reise

Es ist heute vielmehr denn je Trend die Welt zu sehen, viel zu reisen und davon erzählen zu können. Ja, es gehört heute sogar zum Status und wird aufgrund dessen gerne nach außen transportiert. Es soll ein spannendes und abwechslungsreiches Leben suggerieren und nicht zuletzt auch den Wohlstand.

Jedoch sollte Reisen unabhängig von einem Zielort betrachtet werden. Es ist für mich irrelevant wohin die Reise geht. Wichtig und essentiell für mich ist die Reise selbst. Wie sagt man so schön: ,,Der Weg ist das Ziel“. Und so ist jede Reise ein Versuch sich selber als Mensch kennenzulernen.

Denn eine Reise, egal wo sie auch hinführen mag, reißt uns immer aus dem Alltag und befördert uns von einem Ort zum anderen. Diese Zeit zwischen Startpunkt und Endziel ist immer eine Möglichkeit, unser Leben zu reflektieren.

Auf der Reise ist man abgekapselt von dieser Welt. Man plant keinen längeren Aufenthalt an einem Ort und ist genügsam zufrieden mit dem was man bekommt, um die Reise fortzusetzen. Man befreit sich vom alltäglichen Konsumwahn und lernt die wesentlichen Dinge wertzuschätzen und vor allem, alles Unnötige zu filtern.

So ist die Reise an sich auch ein Reinigungsprozess. Losgelöst von den Dingen, die uns vermeintlich als Pflicht erscheinen, bekommt man mit neu gewonnenen Erkenntnissen einen erweiterten Horizont und lernt die Dinge auch von einer anderen Perspektive zu betrachten.

Die Reise an sich ist auch ein Abbild unseres gesamten Lebens. Wir sind ständig in Bewegung und marschieren durch einen Lebensabschnitt nach dem anderen. Dabei vergessen wir oft die Zeit zwischen unseren Zielen zu nutzen und leben entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft; Erinnerungen an den Startpunkt A und Hoffnungen auf das Ziel B. Doch sind die wahren Erkenntnisse hinsichtlich der Qualität und Quantität, in der Reise begründet.

Die Reise ist etwas sehr schönes. Sie führt den Menschen wieder zu sich selbst und lässt ihn sich auf die wesentlichen Dinge fokussieren. Sie erinnert den Menschen daran, dass er nur ein Reisender auf dieser Welt ist und das zu viel Gepäck unnützer Ballast auf diesem Weg ist. Sie lehrt mit dem Nötigen genügsam und zufrieden zu sein und das Ziel im Auge zu behalten.

Reise mit einem Freund und du wirst sehen, ob er ein Freund ist.

Reise alleine und du wirst sehen, ob du mit dir im reinen bist.

Ömer İbrahim Şamdanlı

Verkehrte welt

In einer Zeit als Frauen lebendig begraben wurden. In einer Zeit als die Frau nicht mehr als ein Objekt war. Als sie als Nutzvieh gesehen wurde und ihre Existenz nur in der Funktion des Gebärens begründet war. Als sie weder freie Partizipation geschweige denn ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft war. Als die Frau keinen menschlichen Wert hatte, sondern als Spielzeug männlicher Triebe Verwendung fand.

In dieser Zeit entsprang eine Barmherzigkeit für die Welten. Sie kam mit göttlicher Quelle und erhob die Frau Stufe um Stufe.

Es war der Islam.

Denn dieser war es, welcher der Frau ihre Rechte gab und sie in ihrer Stellung erhob. Die Mutter, die Tochter, die Schwester, die Gelehrtin, die Geschäftsfrau. Die Frau als solches bekam nun den Respekt gezollt, welchen sie verdiente und hatte aus islamischer Sicht fast schon einen heiligen Status insbesondere hinsichtlich der Rolle der Mutter.

Heute jedoch zeigt die westliche Frau, welche selbst zumeist in ihrer Rolle als Sexobjekt gefangen ist und lediglich auf ihre Reize reduziert wird, mit dem Finger auf die muslimische Welt und prangert sie an.

Und sie hat recht. Das was in den Ländern mit überwiegend muslimischer Bevölkerung Frauen angetan wird. Wie Frauen behandelt werden. Wie sie gesehen werden. Ja, da kann auch eine Frau, die in der Gesellschaft nicht mehr oder weniger als Lustobjekt gesehen wird sagen, dass sie viel besser gestellt ist.

Doch wie kommt so eine Entwicklung zu Stande? Wie kann der Islam, welcher kam und der Frau ihre Rechte gab, nun diese so unterdrücken?

Oder muss man sich viel eher die Frage stellen, ob es der Islam überhaupt ist, der diese Taten rechtfertigt?

Sieht man sich die 2 Primärquellen im Islam an, dann wird man feststellen, dass diese genau so sind bis hinzu ihrem Wortlaut wie damals. Und da man den Islam auch nur am Islam und nicht an den Muslimen messen sollte, wird schnell klar welcher andere Faktor hier ausschlaggebend ist.

Es ist nicht de Islam der Zwangsheirat gebietet. Es ist nicht der Islam der Selbstjustiz und sogenannte Ehrenmorde legitimiert. Es ist nicht der Islam, welcher die Frau als Nutzobjekt zwecks Gebären wie ein Vieh hält oder Verstümmelungen und Vergewaltigungen zulässt. Es ist nicht der Islam, der irgendeine Form der Unterdrückung der Frau anordnet.

Im Gegenteil. Es war der Islam, welcher die Frau aus diesen Fesseln befreite und ihr den größten Wert in der Gesellschaft beimiss.

Diese Fesseln waren damals wie heute das Produkt von Traditionen und Bräuchen gepaart mit bildungsfernen Schichten, die schon vor dem Islam die Frau unterdrückten und es heute wieder tun.

Denn nicht der Islam ist der Grund für diese Gräueltaten; es ist vielmehr die Abwesenheit, die Abkehr von islamischen Werten und Normen, die diese Art der Dehumanisierung der Frau wiederkehren ließ.

Wenn man den Blick richtig in diese Länder richtet, dann wird man schnell erkennen, dass die meisten Leute, welche diese Abscheulichkeiten begehen, nur namentlich Muslime sind, jedoch in ihren Handlungen und Werten dem Islam diametral widersprechen.

Auch hier im Westen wird erkennbar, durch die demographische Entwicklung hinsichtlich muslimischer Menschen, dass viele heutzutage nur namentlich Muslime sind und ihre Handlungen alte vorislamische, archaische Stammesgesetze widerspiegeln. Denn Kapitalismus und die Konsumgesellschaft lassen einer Familie keine Zeit mehr Werte und Normen zu vermitteln, sie kritisch zu hinterfragen und zu verstehen, bevor man diese annimmt.

Nein, die Konsumgesellschaft zeigt auch hier ihr Ebenbild des schnellen Konsums hinsichtlich der Erziehung. Diese wird entweder vom TV und sozialen Medien übernommen, welche ungezügelte Promiskuität und die totale Sexualisierung der Frau gebieten oder man gegenteilig in das andere Extrem rutscht, welche hierarchisch, archaische Strukturen diktiert.

Diese Dinge sind von Land zu Land, von Region zu Region verschieden und lassen die Frau, wie es hier in Europa und im Westen ist, zwar vermeintlich frei sein, in Wahrheit jedoch verweilt sie hier im goldenen Käfig; strebend nach Schönheit, da die Gesellschaft nur ihre Optik wahrnimmt. In anderen Ländern, wird sie genauso nur als Objekt gesehen und da sie ja nur ein Konsum und Nutzobjekt ist, auch so behandelt.

Doch bestimme Lobbies, deren Intention sich auf Profit und den Erhalt des kapitalistischen Systems erstreckt, haben es geschafft den Islam als die weltweite Bedrohung Nr. 1 zu etablieren. Dies, weil der Kommunismus erfolgreich beseitigt wurde und nur noch der Islam eine reale Gefahr für dieses Wirtschaftsgefüge darstellt. Mit den Medien als ausführende Gewalt und sie als Gesetzgebende Kraft, haben sie es geschafft den Islam als Feindbild und Sündenbock allen Übels auf der Welt in die Köpfe der Menschen zu setzen.

Jedoch wird ein kritischer Geist schnell diese Art der Konditionierung durchbrechen, indem er sich nur die Quellen des Islams anschaut.

Denn nur daran kann man den Islam messen. Nicht am Muslim XY und nicht am Land YX.

Ömer İbrahim Şamdanlı

Schrei nach Liebe

Du windest dich und und versuchst alles. Du rennst umher und pochst auf Resonanz. Das Feedback der Leute ist deine Droge. Du versuchst „Wer“ zu sein. Das „Wer“ wird vom Zeitgeist bestimmt. Du adaptierst, du kopierst, du willst so sein. Nicht, weil du überzeugt bist von diesen Werten; nein, du willst so sein, um das Echo zu hören, um die Aufmerksamkeit zu bekommen. Du bist heute Jemand und morgen schon wieder jemand anderes. Als wären die Augen geschlossen. Als wüsstest du nicht wo du stehst. Auf der Jagd nach dem nächsten Schuss. Auf der Jagd nach Anerkennung. Denn du tust diese Dinge, auch wenn sie dir zuwider sind; du tust sie um der Aufmerksamkeit Willen.

Das, weil du kompensieren musst. Weil du keine echte Anerkennung und echte Aufmerksamkeit von deinen Nächsten bekommst; für die Person, welche du wirklich bist. Nein, du flüchtest dich in eine Parallelwelt in der Hoffnung, dein fiktives Ich wird diese Anerkennung, diese Aufmerksamkeit, diese Zuneigung und Bewunderung bekommen.

Du verstellst dich Tag für Tag. Du spielst eine Rolle. Deine Verzweiflung ist getarnt hinter deinem aufgesetzten Lächeln und deinen Videos mit Freudegeschrei . Du suggerierst Glück und Selbstsicherheit, doch weißt du gar nicht mehr wer du bist. Eine Sklavin ihres Egos, die um Wahrnehmung in sozialen Medien ringt . Ein scheinbar perfektes Leben führt und extrovertiert nach außen trägt.

Doch holt dich die Realität spätestens bei Nacht wieder ein, während du wach bis tief in die Nacht liegst und die Verzweiflung in Form von Tränen aus dir herausrausbricht. Denn, das was du alles tust, ist nicht mehr als ein Schrei nach Liebe, der in der breiten Masse von Followern und Likes untergeht. Ein Schrei nach Liebe, die man vergeblich versucht zu kompensieren durch Bewunderung in sozialen Netzwerken mittels fiktiver Selbstdarstellung.

Und du weißt selbst, dass am Ende dieses Weges die Zerstörung deines eigenen eigentlichen Seins steht. Doch gefangen im Teufelskreis, angetrieben von der Sucht nach Wahrnehmung, die den Durst nach echter Liebe niemals stillen wird, begibst du dich weiter in einen Tag voller neuer Postings in welchen du dein gespieltes Glück auf diversen Plattformen zeigen musst.

Du schreist förmlich nach Liebe, jedoch wird diese fiktive, oberflächliche Bewunderung niemals echte Zuneigung, echte Liebe ersetzen können, sowie salziges Meerwasser niemals den Durst stillen kann. Im Gegenteil. Du wirst durstiger und durstiger.

Ömer İbrahim Şamdanlı